(Franz Hugo Schwörer,bearbeitet von G.Geissler)
Die Gründung:
Die Gründungsversammlung - über die noch
ein Dokument mit den Unterschriften der Gründungsmitglieder vorhanden
ist- fand am 19.September 1887 ins Marzelle Stube statt. Sicher ist, dass
diese Gründungsversammlung eine Vorgeschichte –vielleicht eine
jahrelange- hatte und ihr manche Besprechung und Planung vorausging. Der Wunsch,
eine eigene Musik im Dorf zu haben, war bestimmt allgemein in der Bevölkerung
vorhanden, aber wie so oft waren es einzelne, tatkräftige, musikliebende
Männer, die aus dem Wunsch die Tat werden ließen. Vergleicht man
das Gründungsdatum des Vereins - 1887 - mit dem von Musikvereinen aus
Ortschaften etwa gleicher Größe im Lande, so ist eine gewisse Häufigkeit
von Vereinsgründungen im dritten Viertel des vergangenen Jahrhunderts
auffällig. Dies ist kein Zufall, sondern hat geschichtliche Hintergründe.
Mit der siegreichen Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71,
der nationalen Einigung und Reichsgründung flammte eine Lohe vaterländischer
Begeisterung auf. Im Gefolge einer wirtschaftlichen Blütezeit und allgemeinen
Aufschwungs machte sich ein optimistisches Lebensgefühl breit, das sich
unter anderem in der Gründung vieler Vereine, vor allem von Musik- und
Gesangvereinen, niederschlug. Diese Vereinsgründungen allerorten ließen
auch in Heuweiler den Wunsch aufkommen, nicht zurückzustehen und auch
eine eigene Musik zu haben. Sie sollte auch nicht Selbstzweck sein, sondern
vor allem die Feste des Kirchenjahres wie Fronleichnam, Patrozinium, Kirchweih
und den Weißen Sonntag verschönern, aber auch Frohsinn und Geselligkeit
in der Gemeinde heben. Treibende Kräfte zur Vereinsgründung müssen
Lorenz Schultheiß, Marzell Heitzmann und Josef Reichenbach gewesen sein,
Ihnen wurde auch gleich und in den späteren Jahren immer wieder die Vorstandschaft
übertragen. Merkwürdigerweise taucht der Vereinsname »Eintracht«
in den Protokollen oder sonstigen Notizen zunächst überhaupt nicht
auf. Erstmals erwähnt wird er in den erneuerten Satzungen, die am 11.
März 1920 aufgestellt wurden. Der Verein hatte in den ersten Jahren nach
der Gründung sehr mit finanziellen Schwierigkeiten, vor allem für
die Beschaffung von Instrumenten, zu kämpfen und - für uns heutige
kaum vorstellbar - hatten die Musiker zu ihren Opfern an Zeit und Mühen
noch Beiträge zu leisten. Zum Glück gab es auch damals hochherzige
Förderer, wie Remigius Bank, der dem Verein bei der Gründung 200
Mark vorstreckte, damit die Instrumente bezahlt werden konnten. Wenige Monate
nach der Gründung traten den neun Mann der ersten Stunde, welche da sind:
Lorenz Schultheiß, Marzell Heitzmann, Josef Reichenbach, Remigius Bank,
Ludwig Bank, Friedrich Bank, Franz Jos. Dörr, Andreas Heitzmann, Karl
Dörr,
bereits drei neue Aktive bei:
Joseph Schwehr, Christian Dörr, Wilhelm Über.
Zwei Jahre später, im Oktober 1889, werden Friedrich Schill, Werner Stiegeler,
Friedrich Dörr und Johann Blattmann in den Verein aufgenommen. Ausschlaggebend
für die Aufnahme war in den frühen Jahren des Vereins nicht nur
die Erwartung guter Musikalität, sondern auch die eines ordentlichen
Lebenswandels. Darauf, dass bei allem Idealismus auch Schwierigkeiten und
Unstimmigkeiten auftauchten, lässt eine Bemerkung vom September 1892
schließen. Sie lautet: »Es wurde behandelt und beschlossen, den
Verein weiter fortzuführen.« Welcher Art die Unstimmigkeiten waren,
darüber schweigen sich die Blätter aus. Am 30. Oktober 1896 wurde
verhandelt und beschlossen, ». . . die sich zum Vereinmeldenden Karl
Wiehle und Hermann Über als aktive Musiker, erster als Tampor, zweiter
als Hornist, in der Hoffnung und Voraussetzung treuer Pflichterfüllung
aufzunehmen<<. Unter dem 12. September 1897 - früher wurden die
Generalversammlungen immer im September als Gründungsmonat abgehalten
- wird beschlossen, »zur zehnjährigen Gründungsfeier jedem
aktiven Mitgliede eine Photographie zu verehren«.
| Gründungsdokument
vom 19.09.1887 |
In diesem Haus,
genannt s´Marzelle, fand die Gründungsversammlung statt |
Die älteste
Aufnahme des Vereins 1.Reihe: (liegend) Johann Blattmann, August oder Leopold Wiehle 2.Reihe:(v.l.) Wilh. Über, Josef Reichenbach,Marzell Heitzmann,Remigius Kaltenbach 3.Reihe:(v.l.) August od. Leopold Wiehle, Josef Wisser, Karl Wiehle, Johann Bank,Hermann Über In der Mitte: Dirigent Hauptlehrer Kienzler |